
Das neue Rathaus von Södertälje

Die Klapptische „Viper“ von Materia haben bisher in der Kantine gestanden. Sie werden jedoch bald in den großen Saal für Veranstaltungen und Tagungen verlegt, wo sie durch Stühle des Modells „Noa“ von Skandiform ergänzt werden.
Ein stolzes Rathaus
Die schwedische Stadt Södertälje ist nicht nur eine der multikulturellsten Gemeinden des Landes. Hier wurde im letzten Herbst auch das modernste Rathaus Schwedens eingeweiht – ein Ort der Versammlung, Information und Kultur, der das Profil der Stadt und ihre Vision für die Zukunft stärken wird. Ein Gebäude, das Offenheit und Demokratie ausstrahlt.
TV-Kameras aus der ganzen Welt waren im Frühjahr 2008 auf die schwedische Gemeinde Södertälje gerichtet, weil die Stadt mehr Flüchtlinge aus dem Irak aufgenommen hatte als die USA und Kanada zusammen. Der Bürgermeister Anders Lago wurde in den US-Kongress eingeladen, um die ganze Welt, einschließlich der USA, zu überzeugen, sich zu beteiligen und Verantwortung für all die Menschen zu übernehmen, die aus dem kriegszerrissenen Land flüchteten, aber auch um vorzustellen, wie Södertälje den Flüchtlingszustrom bewältigte.
Södertälje liegt eine halbe Autostunde südlich von Stockholm und hat knapp unter 85.00 Einwohner. Nicht weniger als 40 Prozent davon haben einen Migrationshintergrund, daher ist es nicht verwunderlich, dass die Stadt als „die internationale Hauptstadt Schwedens“ angepriesen wird. Die Bedürfnisse all dieser Bürger bildeten ein starkes Argument für den Bau eines vollständig neuen Rathauses. Die Dienststellen der Stadt waren vorher über ganze sieben Standorte verteilt. Die Stadt ergriff daher die Gelegenheit, alle 450 Verwaltungsmitarbeiter der Gemeinde in einem einzigen, modernen Gebäude unterzubringen, das für Offenheit und Demokratie stehen soll. Das neue Rathaus sollte jeden willkommen heißen und für alle zur Verfügung stehen, dies war eines der Kernelemente, die beim Bau beachtete werden mussten. Bei der Planung wurde auch an ältere Menschen gedacht sowie an Familien mit Kindern und Bürgern mit verschiedenen Behinderungen. So wurde es zu einem der zugänglichsten Gebäude der Welt.
Besondere Details und Flexibilität
Im Zuge des Umzugs wurde mit Großraumbüros eine vollständig neue und effizientere Arbeitsweise geplant. Für viele Mitarbeiter bedeutete dies eine große Umstellung. Die Ausführung der Innenausstattung wurde nach schwedischem Recht ausgeschrieben und Kinnarps war eines der Unternehmen, die sich auf die Ausschreibung bewarben. Gemeinsam mit seinem Kollegen Peter Karlsson war der Leiter von Kinnarps Interior Södertalje, Magnus Bagstevold, für das Projekt verantwortlich.
„Die Innendesigner hatten lange Wunschlisten an Möbeln – ein Mix aus schwedischen und ausländischen Herstellern. Es war untersagt, während der Ausschreibungsphase mit dem Kunden Kontakt zu haben, doch sobald wir die Ausschreibung gewonnen hatten, stellten wir ihnen einen Prototypen des Arbeitsbereichs vor, den die Innendesigner speziell für die Gemeinde Södertälje entwickelt hatten. Es wurde hart gearbeitet, um die speziellen Anforderungen des Kunden zu erfüllen. Bei dem Ausarbeiten der Details war uns der Architekt Rune Karlsson in der Zentrale von Kinnarps eine große Hilfe. Insgesamt wurden viele besondere Details verwirklicht, einschließlich spezieller Farben für die Schreibtischrahmen, besondere Schranktürenschienen und stark geräuschabsorbierende Stoffe von Ludvig Svensson an den Sichtblenden. „Wir haben hier große Flexibiltät bewiesen“, betont Marcus Bagstevold und fügt hinzu, dass dies in der 30-jährigen Zusammenarbeit zwischen der Gemeinde Södertälje und Kinnarps das bisher größte Projekt gewesen sei.
Marco Checchi bescheinigt die Offenheit von Kinnarps. Er ist Innenarchitekt bei BSK Arkitekter AB, dem Unternehmen, das sowohl das Gebäude als auch die Innengestaltung entworfen hat.
„Wir waren wirklich sehr angetan von der Begeisterung, mit der Kinnarps unsere besonderen Anforderungen erfüllte, sowie davon, dass sie so viele ihrer eigenen durchdachten Ideen und detaillierten Lösungen einbrachten.“
Stolz ist wichtig
Da sich die Bauarbeiten verzögerten, mussten sich die zehn Monteure von Kinnarps ihren Arbeitsplatz bei allgemeinem Hochbetrieb mit 150 Bauarbeitern teilen. In nur zwei Wochen schafften wir die Lieferung und Installation der 450 Arbeitsplätze, so dass es nur zu einer kurzen Unterbrechung in den Arbeitsabläufen der Mitarbeiter kam.
Bereits einen Monat nach der Einweihung im November 2008, brachen die Besucherzahlen sämtliche Rekorde. Außer den Einwohnern von Södertälje kamen auch Besucher aus anderen Gemeinden vorbei – in Schweden hat es seit 17 Jahren kein neues Rathaus gegeben!
„Der Bau weckte überall großes Interesse, vor allem aufgrund der Zielsetzung der schwedischen Regierung, bis zum Jahr 2010 landesweit alle Rathäuser nach dem gleichen Konzept umzubauen. Es ist jedoch sicher leichter, all dies vollständig neu zu planen und zu bauen, als es auf ein vorhandenes Gebäude anzuwenden“, sagt Anders Kuylser, Disponent im Rathaus von Södertälje, und fährt fort:
„Das schönste daran ist der Stolz, den alle darüber verspüren, in einer so modernen und inspirierenden Umgebung arbeiten zu dürfen. Daraus ergibt sich eine Atmosphäre, die Solidarität verkörpert und zeigt, dass Södertälje eine innovative und vorausschauende Gemeinde ist.“
Susanne Helgeson