Die ausstellung „Weiche Wände“ auf der stockholmer Möbelmesse

Textile Architekur = Synnöves Mission

"Oh nein - nicht noch eine RolleVorhangmaterial“, dachte ich.

Synnöve Mork, Textildesignerin und Raumausstatterin, spricht von Weichen Wänden, die Ausstellung, die vor einigen Jahren für ziemliche Aufregung bei der Stockholmer Möbelmesse gesorgt hat. Eine Installation, die Textilien den Eindruck von Architektur schaffen ließ. Drapierte Filzlamellen, lasergeschnittene Polyesterbahnen, flauschige oder durchbrochene Stoffe stellten das „Baumaterial“ dar und erzeugten ein Gefühl von Räumlichkeit. Muster, Polster und Vorhangmaterial - daran denken wir meistens, wenn wir das Wort Textilien hören. Aber Synnöve und ihre Co-Aussteller, eine Gruppe ihrer Studenten vom Textilkurs der Kunstakademie, präsentierten eine andere Sicht. Sinnlich und poetisch, dabei kombiniert mit räumlichen und funktionellen Aspekten.

Weiche Wände landete einen Volltreffer. Besucher, nicht zuletzt Architekten scharrten sich um die atemberaubenden graphischen Installationen, Arrangements ganz in Schwarz,Weiß und Grau. Auch Käufer fanden sich reihenweise. Die Ausstellung, ursprünglich überhaupt nicht als Verkaufsereignis gedacht, erzeugte trotzdem starkes kommerzielles Interesse.

"Viele der Ausstellungsideen sind jetzt in Produktion,“ sagt sie. "Obwohl wir gar nicht daran gedacht hatten.“

Das war im Frühling 2005. Im Moment denkt Synnöve Mork darüber nach, das Konzept weiterzuführen. Für das nächste Mal gibt es die Idee, eine noch stärkere Verbindung zwischen Textilien und Licht zu schaffen. Weiche Wände hat Textilien bereits als hervorragendes Mittel der Abschirmung, Filterung und der Verteilung von Licht in verschiedenster Weise gezeigt. Jetzt sollen die Lichtquellen in die Stoffe selbst eingewoben werden, um sie aufleuchten zu lassen und lebendig zu machen. Synnöve Mork hat schon früher mit dem Lichtdesigner Gunnar Bjurs zusammen gearbeitet. Die beiden wurden zu einem kreativen Duo und zu Experten für diese Technik.

Raumschaffende Textilien hängen stark zusammen mit neuen hoch entwickelten Techniken. Zum
Beispiel innovative Materialien, die durch Forschung entwickelt wurden, oft in Anwendungsbereichen, die weit über die gängigen Domänen der Raumausstattung hinausgehen. Lasergeschnittene Polyestergewebe, Faseroptik, Highperformance-Kunststoffe, Kohlenstofffasern und Prepregbahnen - Materialarten und Techniken, die man gewöhnlich zum Beispiel in der Luft- und Raumfahrt und in hoch entwickelter Sportausrüstung findet. Diese fördern die Kreativität für Räume zu Hause, an Arbeitsplätzen, oder in öffentlichen Bereichen, mit unverkennbaren Ergebnissen, die einen stärkeren Eindruck hinterlassen als traditionelle Textilien.

"Es passiert gerade so viel auf dem Feld der Materialforschung“, sagt sie. "Aber es geschieht selten, dass Innovationen in konkrete räumliche Gestalt überführt werden.“ Aber bereits seit einigen Jahren ist diese Entwicklung in der internationalen Szene im Gang. Um die Jahrtausendwende begannen neu gestaltete Wandelemente aus Textilien aufzutauchen, wie das bauschige Wandpaneel aus Filz, Soundwave, von Teppo Asikainen und später der hoch gelobte
„Stoffziegel“ North Tile der Brüder Bouroullec. Bereits in den 1980er Jahren hatten experimentelle
Architekten wie Shigeru Ban aus Japan Strukturen wie das berühmte Haus mit Wänden aus Vorhängen und das Nackte Haus präsentiert: Die Wände des ersteren sind einfach aus vornehmen weißen Vorhangstoff, der von der Decke bis zum Boden reicht. Die Wände des letzeren sind aus gewelltem glasfaserverstärktem Kunststoff.

Aber das Konzept textiler Räume hatte seinen Weg noch nicht in die Büroumgebungen gefunden. Synnöve Mork fand auch, dass die neuen Wandelemente aus Textilien häufig eine maskuline Ausstrahlung hatten. Eine rationellen Sichtweise, die sie gerne durch eine poetische Dimension ergänzt hätte - ohne die Wände dabei banal, zu reinem Dekor werden zu lassen. "Ich habe wirklich ein passioniertes Interesse an der Gestaltung von Räumen mit Textilien und ich mache das schon solange ich denken kann,“ sagt sie.

Die Dinge nahmen ihren Lauf, als sie in den 1990er Jahren begann,Vorlesungen über Textilien an der Kunstakademie zu halten. Schon sehr früh gab sie ihren Studenten Aufgaben mit architektonischer Ausrichtung, die Elemente wie Licht und Schatten einbezogen. Architekten wurden ebenso eingeladen wie Experten für Jalousien und Textilien wie Margot Barolo.Vom Kleinen zum Großen - sie schickte ihre Studenten sogar in die Wohngebiete um Stockholm, von denen manche bis dahin nur als Baustellen existierten. Ihre Hoffnung war, dass dies die Sinne für
Perspektiven nach innen und außen, sowie für die Ausbreitung von Licht und Schall, schärfen würde.

"Ich liebe Muster“, sagt sie. „Aber ich mag den Gedanken nicht, dass Textilien sich nur mit Mustern beschäftigen sollten.“ Für sie persönlich war die Zeit als Lehrerin wirklich großartig. Eine wertvolle, lehrreiche Erfahrung. Durch sie wurde sie auch dazu gezwungen, eine Sprache fürTextil und Form zu entwickeln,um nicht zuletzt dazu, ihre eigene Position klarzumachen. Sie
fand heraus, dass dies auch gerade für die Studenten sehr wesentlich war. In den 1980er Jahren hatte sie den Textilkurs der Kunstakademie verlassen und sie behauptet, in dieser Zeit kaum je ein Wort gesagt zu haben. Jetzt wurde sie gezwungen, klar und offen zu sein, etwas, das sie sich auch für Alltagsgespräche über Design wünschen würde. Es ist einfach zu viel "Oh,
wie schön“, "Oh, wie originell“, findet sie. Was fehlt, ist ein gut durchdachter und konstruktiver Dialog.

Aber so bereichernd die Tätigkeit als Lehrerin war, ebenso wunderbar war es, zu der eigenen kreativen Arbeit zurückzukehren. Sie hält weiterhin Kontakt zu einer großen Zahl ihrer früheren Studenten. Mehrere von ihnen sind gute Freunde geworden und einige von ihnen waren bei Weichen Wänden beteiligt und manche, wie Anna Danielsson, jetzt bei Marimekko, sind extrem erfolgreich geworden.

"Es ist aufregend zuzusehen, wie ein Star geboren wird“, sagt Synnöve. „In Annas Fall war es sofort klar, wie besonders ihre Art zu denken war.“

Textilien zu inszenieren und diese und anderes Design auszustellen ist zu Synnöve Morks Medium geworden, tatsächlich stärker als "normale“ Textilkreationen. Aber "WeicheWände“ können aus vielen Materialien gebaut werden, nicht nur aus Stoffen. Blumen sind das neueste Element in Synnöves Repertoire. Dieses Mal arbeitet sie zusammen mit dem Landschaftsarchitekt Ulf Nordfjell, der für seine Arbeit mit vielen großen Gartenprojekten bekannt ist. Letztes Jahr an Weihnachten gestalteten sie zusammen eine Installation in dem legendären Gewächshaus des städtischen Gartenverbandes in Göteborg. Zwei kugelförmige Räume aus Pflanzen wurden einander gegenüber aufgestellt. Einer wie ein Zirkus, chaotisch mit Draperien aus Blumen in unglaublichen Farben, der andere nur mit weißen und hellen Blumen, mit kühler, winterlicher Strenge.

"Wirklich schräg“, sagt sie. „Aber phantastisch. Räume können auf ganz unvorhergesehene Weisen geschaffen werden.“

INGRID SOMMAR