Warum die IUCN ein neues Conservation Centre benötigt

Seit über 60 Jahren fördert die International Union for Conservation of Nature (IUCN) Initiativen zum Schutz der Natur und der Artenvielfalt. Die 1948 gegründete Organisation mit inzwischen mehr als 1000 Mitgliedern hat im Laufe der Zeit erheblich an Größe, Aufgabenbereichen und Komplexität zugenommen. Die IUCN erreicht nun alle Winkel der Erde und ist für viele verschiedene Aufgabengebiete zuständig.

Infolge dieses Wachstums wurden die Kapazitätsgrenzen des alten Hauptbüros erreicht, und der Bau eines neuen Conservation Centre mit Vorbildcharakter wurde erforderlich.

Das Conservation Centre wird nicht nur als Arbeitsstätte für das globale Sekretariatsteam der IUCN dienen, sondern auch als Schnittstelle für die weltweite Zusammenarbeit im Bereich Naturschutz. Das neue Conservation Centre wird die Stellung der IUCN als internationales Forum zur Bildung von Allianzen und Partnerschaften für ein stärkeres gemeinsames Handeln von Naturschutzorganisationen, Regierungen und der Gesellschaft als Ganzes weiter untermauern.

 
Erläuterung der gebäudetechnischen und architektonischen Vision des Conservation Centre

Nach einem Vergleich der auf der Welt zur Verfügung stehenden Standards für nachhaltiges Bauen entschied sich die IUCN dafür, den schweizerischen Standard Minergie-P für niedrigen Energieverbrauch, den Standard Minergie-Eco für umweltfreundliche Bauweise und Gestaltung sowie das punktebasierte Bewertungssystem LEED (Leadership in Energy and Environmental Design) heranzuziehen. Das letztere System – welches Standards für Standortwahl, Wassereffizienz, Energie und Atmosphäre, Materialien und Ressourcen, Qualität der Raumluft sowie Innovationen und den Gestaltungsprozess beinhaltet – diente als Grundlage für die Gestaltungsvorgaben der IUCN.

Die schweizerische Regierung förderte den Gebäuderohbau mit einem 50 Jahre zinsfreien Darlehen in Höhe von 20 Millionen Schweizer Franken. Kinnarps wurde von der IUCN als bevorzugter Partner für die Raumplanung und Büromöblierung ausgewählt. Holcim finanzierte den Konferenzraum, der sich oben auf dem Gebäude befindet, und spendete Thermo- und Recyclingbeton. Die MAVA Foundation finanzierte die große Terrasse und griff der IUCN mit Geldmitteln unter die Arme, um sicherzustellen, dass die strengsten ökologischen Baustandards erfüllt werden konnten. Philips steuerte eine dem neuesten Stand der Technik entsprechende, energieeffiziente Beleuchtung bei und Dell spendete Computer für das neue Büro der Roten Liste. Die Loterie Romande finanzierte schließlich die Erweiterung des Naturgartens, der für die Allgemeinheit zugänglich sein wird und dazu dienen soll, den Besuchern die Bedeutung der Artenvielfalt nahezubringen.

Beim neuen IUCN-Gebäude wurde ein Minimum an Rohstoffen verwendet. Die benötigte Energie wird zu 100 % aus erneuerbaren Energiequellen gewonnen, im Wesentlichen aus Sonnenenergie und Erdwärme.

„Wir haben eine moralische Pflicht, unsere CO2-Emissionen zu senken. Die umweltfreundlichen Eigenschaften des Gebäudes, wie z. B. Wände aus Recycling- und Thermobeton, Anwesenheits- und Tageslichtsensoren und die Nutzung von Regenwasser für die Toilettenspülung und Gartenbewässerung, werden beweisen, dass sich nachhaltiges Verhalten auch positiv auf die Bilanz auswirken kann“, so die Generaldirektorin der IUCN, Julia Marton-Lefèvre.

Nachhaltigkeitsnachweise des Projekts

Ziel der IUCN ist es die Zertifizierung „Platinum“ im LEED-Programm zu erreichen, die höchstmögliche Stufe.
Derzeit gib es noch keine LEED Platinum-Bürogebäude in der Schweiz. Es gibt überhaupt nur 121 Platinum-Gebäude weltweit, von denen sich gerade einmal acht außerhalb der USA befinden. Daher ist es eine große Herausforderung für die IUCN, diese Zertifizierungsstufe mit einem recht knappen Budget zu erreichen."